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64. Gedenkmesse für die Gefallenen und Vermissten den Chiemgaus auf der Kampenwand am 30.08.2015

Gedenkgottesdienst auf der Kampenwand 30.08.2015

Gemeinde Amerang und ihre Veteranenvereinigungen richteten die 

64. Gedenkveranstaltung auf der Kampenwand bei herrlichstem Wetter

am 30. August aus

 

Amerang muss doch einen direkten Draht in den Himmel haben. Obwohl die Gedenkwallfahrt bisher noch niemals ausgefallen ist und bei jedem Wetter durchgeführt wird: zum ersten Mal nach sieben kalten und windigen Jahren begrüßte eine strahlende Sonne die zahllosen Gottesdienstbesucher auf der Kampenwand.

 

So wurde die gute Vorbereitung durch die Gemeinde Amerang und ihre Veteranenvereine und Feuerwehren aus Amerang, Evenhausen und Kirchensur, mit Unterstützung der Gemeinde und Veteranenvereinigung Aschau belohnt. In mehreren Vorbereitungssitzungen unter der administrativen Begleitung und Koordinierung von Bürgermeisterbüro und Bauhofleiter Simon Strell, verantwortlich für die Ausführungen vor Ort, gab es eine außerordentlich konstruktive Zusammenarbeit mit den Gemeinde-Veteranen-Vorständen Ludwig Lederer, Helmut Kristen und Sebastian Stadler sen. Neben vielen Helferinnen und Helfern waren die Gemeinde Feuerwehren, die Frauengemeinschaft Amerang und Evenhausen sowie die Dirndlschaft Stephanskirchen, Werner Höhne, Michael Mayer und Alois Singer sen. besonders in die Vorbereitung eingebunden. Beispielhaft kann z.B. die Parkplatzvorbereitung und Parkorganisation, Kapellenschmuck, Platzdekoration, Stellplatz- und Gondelorganisation sowie Erstellung und Einhaltung der Ablaufpläne genannt werden. Ein besonderer Dank auch an die Landwirte in Gschwend für die Bereitstellung der Parkflächen. Selbstverständlich bedurfte es auch viele Vorbereitungsmaßnahmen durch das Kirchenbüro, da die Messe vom Ameranger Pfarrer Josef Reindl zelebriert wurde der dafür extra seinen Urlaub unterbrach, um diesen Gottesdienst feiern zu können. Für die musikalische Umrahmung sorgten die Ameranger Dorfmusik sowie die Aschauer Alphörner. Für den Ehrensalut zeichnete die Gebirgsschützenkompanie Aschau unter der Führung von Hauptmann Hubert Stein verantwortlich. Hilfreich waren auch die jahrelangen Durchführungserfahrungen der Unterstützer aus Aschau. Dem Appell von Bürgermeister Augustin Voit in vielen örtlichen Vereinsveranstaltungen kamen nicht nur die Ameranger Vereine mit ihren Fahnenabordnungen, sondern auch viele Ortsbürger nach und bereuten nicht ihre Teilnahme an dieser in Erinnerung bleibenden Gedenkmesse. Insgesamt fanden sich 81 Fahnenabordnungen aus dem gesamten Chiemgau an der Kriegerkapelle „Maria - Königin des Friedens“ oberhalb der Steinlingalm ein. Sie erfüllten damit ihre seit über sechs Jahrzehnten selbst gesetzte Kameradenpflicht gegenüber den Gefallenen und Vermissten der beiden Weltkriege. Neben den Mitgliedern der Veteranen- und Traditionsvereine aus dem Chiemgau waren auch zahlreiche Ehrengäste, darunter die Europaabgeordnete Maria Noichl, MdB Daniela Ludwig, MdL Klaus Stöttner und weitere Mandatsträger aller Ebenen, sowie zahlreiche Bürgermeister aus dem ganzen Chiemgau, der Vorsitzende der IG der Krieger- und Veteranenvereine und Soldatenkameradschaften im Landkreis Rosenheim Pius Graf, der erste Gauvorstand der Soldatenkameradschaften im Landkreis Traunstein Michael Bernauer, mehrere hohe Offiziere der Bundeswehr aus Südostbayern, der stellvertretende Vorsitzende des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge im Bezirk Oberbayern Heinrich Rehberg und viele spontane Besucher anwesend.
Zur Eröffnung der Messe führte Dekan Josef Reindl aus  „So ähnlich wie ich euch heute an diesem Ort unter dem Gipfelkreuz der Kampenwand sehe, muss auch Jesus die vielen Männer, Frauen und Kinder gesehen haben, als er seine Bergpredigt hielt“, „der zweite Weltkrieg ist für uns alle weit weg, aber der ersehnte Frieden ist nicht eingekehrt – Krieg in aller Welt ist die traurige Realität. Krieg ist keine Sache der Vergangenheit, Nationalismus und falsch verstandene Religiosität fachen immer neue Konflikte an, Flucht und Vertreibung sind allgegenwärtig und sind für uns jeden Tag greifbar; wir müssen uns dieser Herausforderung täglich stellen“.

Bürgermeister Augustin Voit aus Amerang erinnerte an die Opfer der beiden großen Kriege des letzten Jahrhunderts, die auch nach 70 langen Friedensjahren in der Bevölkerung stets präsent seien. „Denken wir an unsere Menschen hier aus dem Chiemgau aber auch an die vielen Menschen in den Kriegsgebieten in aller Welt, die bei uns jetzt Schutz und Zuflucht suchen. Ein besonderes Gedenken gilt einem der Schöpfer des Chiemgaukreuzes Franz Schaffner, Höslwang und dem Ehrenvorsitzenden der IG Rosenheim Günter Altmann“.

 

Kampenwandmesse 30.08.2015

 

Ludwig Lederer der für die Veteranengemeinschaften aus Amerang sprach bedankte sich bei Herrn Pfarrer Josef Reindl für die würdige Gestaltung der Messe. Vielen Dank auch an die Gemeinde Aschau, an alle Helfer und alle teilnehmenden Vereine. Weiter führte er zum Nachdenken aus: seit 70 Jahren ist nun Frieden in Deutschland und das ist Anlass zu großem Dank. Aber unsere Soldaten sind auch im Ausland eingesetzt und es gibt immer wieder Verwundete und leider auch Tote. Für die deutschen Soldaten und Polizisten sind es verantwortungsvolle und gefährliche Einsätze, bei denen sie immer wieder in Situationen kommen, in den sie ihre Gesundheit und ihr Leben einsetzen. Auch in den vergangenen Monaten sind deutsche Soldaten und Polizisten bei der Erfüllung ihrer Aufgaben ums Leben gekommen. An diesem Tag denken wir besonders auch an sie und ihre Angehörigen. Die jährliche Gedenkmesse auf der Kampenwand ist ein wichtiges Symbol für alle Menschen. Es ist ein Tag des stillen Gedenkens an alle Opfer von Krieg und Gewalt und zugleich ein Tag der Besinnung, wie wir heute auf Krieg, Gewalt und Terror reagieren, was wir heute für Frieden, Freiheit, Gerechtigkeit und Menschlichkeit bei uns und in der Welt tun können. Nicht nur die Tradition, sondern die Einsicht beantwortet immer wieder geäußerte Zweifel, ob wir diesen Gedenktag - nach mehr als 64 Jahren noch brauchen. Ja, wir brauchen ihn, aus Respekt vor den Millionen Opfern von Krieg und Gewalt. Wir brauchen diese Momente des Innehaltens, genauso wie wir Orte des Gedenkens brauchen, damit das, was geschehen ist, nicht verdrängt wird. Das nationale Gedächtnis braucht Stützen der Erinnerung. Gedenktage wie heute und Denkmale wie das Kreuz auf der Kampenwand, bringen zum Ausdruck, welche Ereignisse und Erfahrungen unserer Geschichte wir im Bewusstsein auch künftiger Generationen bewahren und lebendig halten wollen. Ob wir die Lektionen der Vergangenheit gelernt haben, ist noch offen. Aber wir entscheiden mit darüber, wie das 21. Jahrhundert verlaufen wird. Menschen vor Gewalt und Terror zu schützen ist zuallererst ein Gebot der Menschlichkeit und ein Gebot vorausschauender Vernunft. Richtig und wichtig ist es, dass deutsche Soldaten an Friedensmissionen in der Welt beteiligt sind. Deutschland stellt sich damit der Verantwortung, die die internationale Staatengemeinschaft von unserem Land erwartet. Denn nicht beiseite zu stehen, sondern Verantwortung zu übernehmen, ist eine der Lehren unserer eigenen Geschichte. Ich möchte alle Gottesdienstteilnehmer aufrufen, die Krieger- und Reservisten-Kameradschaften zu unterstützen, und bei deren Arbeit für Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit mitzuwirken. Ein besonderer Dank gilt den Obmännern der Interessengemeinschaft der Landkreise Traunstein und Rosenheim, Herrn Michael Bernauer und Herrn Pius Graf für Ihren Einsatz zum Erhalt der Soldatenvereine und deren Gedenkfeierlichkeiten.
Auf Wunsch von Herrn Dekan Reindl soll die gesamte Kollekte von ca. 2.500 € des Gedenkgottesdienstes zum Unterhalt für Kreuz und Kapelle auf der Kampenwand verwendet werden.
Zur Ehre der Gefallenen und verstorbenen Kameraden legten die Veteranenvertretungen in dankbarer Würdigung zu den Klängen des Liedes „vom guten Kameraden“ einen Kranz nieder.

Text: Heinrich Rehberg - Helmut Rußler

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